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Positive Leadership: Warum Stärkenfokus dein Team zukunftsfähig macht

Autor:in
Anna Auerbach
Chili & Change Icon
Change & Transformation Programm – Chili & Change
Gemeinsam weiterdenken

Der Beitrag hat bei Euch etwas angestoßen? Lasst uns gemeinsam schauen, wie sich die Gedanken aus dem Artikel auf Eure Organisation übertragen lassen.

Positive Leadership: Wie du zur Sonne für dein Team wirst

Was haben Zugvögel, deine Zimmerpflanze und du gemeinsam?

Auf den ersten Blick zugegeben nicht viel, aber genauer hingesehen dann doch mehr, als man denkt: Alle folgen instinktiv demselben Muster – dem heliotropischen Effekt. Lebende Systeme bewegen sich dorthin, wo sie Licht, Energie und günstige Bedingungen finden.

Zugvögel legen tausende Kilometer zurück, um Licht, Wärme und Nahrung zu folgen, deine Zimmerpflanze verbiegt sich fast unnatürlich für die letzten Sonnenstrahlen und wir gehen beim ersten Frühlingszeichen raus und strecken das Gesicht in Richtung Sonne.

Es ist also keine Überraschung, dass es sich in der Arbeitswelt ganz genauso verhält: Menschen blühen dort auf, wo sie Wertschätzung und Sinn finden – und sie verkümmern dort, wo nur nach Fehlern gesucht wird.

In diesem Artikel zeigen wir dir genauer, wie du durch Positive Leadership zur Sonne für dein Team wirst. Denn wenn du die Energie richtig ausrichtest, machen deine Leute nicht nur Dienst nach Vorschrift, sondern entfalten ihr volles Potenzial für kreative Lösungen.

Viel Freude beim Lesen!

Von der Fehlersuche zur Potenzialentfaltung: Dein Glossar für moderne Führung

Bringen wir erstmal Licht ins Dunkel. Wir haben dir hier die wichtigsten Begriffe aus der Welt der positiven Führung zusammengefasst:

Positive Leadership: Dies ist der wissenschaftliche Überbau. Es ist ein Führungsmodell, das konsequent die Potenziale und Stärken der Mitarbeitenden in den Fokus rückt. Ziel ist es, durch ein positives Arbeitsklima eine nachhaltige und gesunde Wirksamkeit im Team zu ermöglichen.

PERMA-Lead®: Während Positive Leadership den Rahmen vorgibt, liefert PERMA-Lead® das „Betriebssystem“ dazu. Die Grundlage ist das PERMA-Modell des Positive-Psychologie-Begründers Martin Seligman (2011). Der Wiener Wirtschafts- und Organisationspsychologe Dr. Markus Ebner hat es auf Führung übertragen und daraus PERMA-Lead® entwickelt: fünf konkrete, beobachtbare Führungsverhaltensweisen (P-E-R-M-A), die sich trainieren und mit validierten Testverfahren messen lassen.

Psychologische Sicherheit (nach Amy Edmondson): Dieser Begriff beschreibt die geteilte Überzeugung in einem Team, dass interpersonelle Risiken tragfähig sind – also dass man Fehler zugeben oder kritische Fragen stellen kann, ohne Sanktionen oder Herabwürdigung befürchten zu müssen.

Stärkenfokus: Der Shift weg von der reinen Fehlerkorrektur („Fixing what's wrong“) hin zum Ausbau vorhandener Kompetenzen („Building what's strong“). Die Forschung zeigt: Stärkenorientierte Entwicklung wirkt deutlich stärker auf Engagement und Leistung als der Versuch, primär Defizite auszugleichen. Schwächen werden dabei nicht ignoriert – sie werden anders gemanagt, statt zum Entwicklungsschwerpunkt zu werden.

Growth Mindset (nach Carol Dweck): Die Grundannahme, dass Fähigkeiten entwickelbar sind. Das Gegenstück, das Fixed Mindset, geht von festen Talenten aus – und macht Fehler damit automatisch zur Bedrohung statt zur Information.

Wie Positive Leadership dein System zukunftsfähig macht

Der Ausgangspunkt: Das Verwalten des Status quo

Wenn sich Führung primär auf das Suchen von Fehlern konzentriert, entsteht ein Klima des Defizit-Fokus. Hier wird Sicherheit mit Perfektion gleichgesetzt, mit folgenschweren Konsequenzen auf mehreren Ebenen:

  • Der Leadership-Bottleneck durch Perfektionismus: Weil Fehlerfreiheit das höchste Gut ist, traut sich niemand mehr, ohne doppeltes Netz zu entscheiden. Aus Angst vor Kritik landet alles auf deinem Tisch. Du wirst zum Flaschenhals, der nur noch operativ Brände löscht, während die Strategie auf der Strecke bleibt.
  • Die Innovations-Blockade durch fehlende psychologische Sicherheit: Wer nichts wagt, macht keine Fehler, und wer keine Fehler macht, wird nicht kritisiert. Wo jedoch die Angst vor dem Rotstift regiert, hat Inspiration keinen Platz mehr. Ein System ohne Fehlererlaubnis ist ein System ohne Lernfähigkeit.
  • Der Talent-Drain im „Fixed Mindset“: High Potentials wollen gestalten, nicht nur Mängel verwalten. In einem Umfeld, das nur Defizite jagt, verkümmern Stärken. Deine besten Leute suchen sich ein Arbeitsumfeld, in dem ein Growth Mindset gelebt wird und sie aktiv an der Zukunft bauen können.

Das bittere Ergebnis: Ein rein reaktives System. Und während es damit beschäftigt ist, die Fehler von gestern auszubessern, zieht die Konkurrenz links daran vorbei.

Warum setzen wir überhaupt auf Positive Leadership?

Nicht, weil wir noch ein paar „good vibes only“-Wandtattoos aus dem Lager loswerden müssen, sondern weil positive Emotionen messbar verändern, wie wir denken und wahrnehmen.

Die Broaden-and-Build-Theorie von Prof. Barbara Fredrickson liefert hier den wissenschaftlichen Beleg: Während negative Emotionen unsere Aufmerksamkeit evolutionär bedingt auf eine unmittelbare Bedrohung verengen (der klassische Tunnelblick), erweitern positive Affekte unser momentanes Gedanken- und Handlungsrepertoire.

Diese kognitive Weite begünstigt es, komplexe Informationen zu verarbeiten, kreative Verknüpfungen herzustellen und ungewohnte Lösungswege zu explorieren. Über die Zeit werden so intellektuelle, soziale und psychologische Ressourcen aufgebaut, die das Fundament für echte Zukunftsfähigkeit und eine Kultur bilden, in der Potenzial wirklich wirksam werden kann.

Gleichzeitig gilt: Positive Leadership beginnt nicht erst im Kontakt mit anderen, sondern bei der eigenen Psychohygiene als Führungskraft. Wer selbst im Tunnelblick-Stress festhängt, kann im Team kaum kognitive Weite, Vertrauen und Energie erzeugen. Positive Leadership heißt also auch, die eigene Resilienz so zu pflegen, dass du überhaupt die Kapazität hast, als Ankerpunkt für eine ressourcenorientierte Kultur zu wirken.

Im Klartext: Angst blockiert, Vertrauen kreiert.

Aber was ist mit Fehlern?

Positive Leadership heißt nicht, Schwächen, Konflikte oder Fehler einfach auszublenden. Im Gegenteil: Auch schwierige Gespräche gehören dazu. Der Unterschied liegt im Fokus. Es geht nicht um Bestrafung oder das Reparieren von Defiziten, sondern darum, Stärken so zu aktivieren, dass Probleme tragfähig aufgefangen und gelöst werden können. Statt zu fragen „Wer hat das vermasselt?“, fragst du: Welche Stärke im Team haben wir bisher zu wenig genutzt, um dieses Problem zu verhindern oder jetzt gut zu lösen? So wechselst du vom Bewertungs-Modus in den Gestaltungs-Modus.

Wie funktioniert Positive Leadership ganz konkret?

Die Theorie liefert Orientierung, aber die Umsetzung entscheidet über die Wirkung. Um Positive Leadership im Alltag handhabbar zu machen, nutzen wir die fünf PERMA-Faktoren – fünf konkrete Hebel für eine nachhaltige Führungskultur:

P Positive Emotions

Die aktive Gestaltung eines Klimas, das von Vertrauen und Zuversicht geprägt ist und so positive Emotionen ermöglicht. Micro-Habit: Starte Meetings mit einer konkreten Beobachtung, was gerade funktioniert.

E Engagement

Der Fokus auf eine stärkenbasierte Aufgabenverteilung, die individuelle Stärken nutzt. Micro-Habit: Frag dich vor der Aufgabenverteilung: Wer kann hier mit welcher Stärke wirklich wirksam werden?

R Relationships

Der Aufbau von psychologischer Sicherheit und tragfähigen Beziehungen innerhalb des Teams. Micro-Habit: Frage heute ein Teammitglied: „Was kann ich tun, um dich diese Woche bestmöglich zu unterstützen?“

M Meaning

Die Vermittlung von Sinnhaftigkeit und dem Beitrag des Einzelnen zum Gesamterfolg. Micro-Habit: Benenne bei Aufträgen immer kurz das Warum, nicht nur das Was.

A Accomplishment

Das Sichtbarmachen von Fortschritten, um die Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden zu stärken. Micro-Habit: Mach pro Woche mindestens einen konkreten Fortschritt sichtbar, der sonst untergehen würde.

Du möchtest wissen, wie PERMA-Lead® in deinem speziellen Kontext genau funktioniert und wirkt? Triff dich auf einen Kaffee mit Anna. Als zertifizierte Anwenderin der positiven Psychologie begleitet sie Führungskräfte und Teams dabei, diese Ansätze bedürfnisorientiert in der Organisation zu verankern.

Das Ziel: Echte Zukunftsfähigkeit

Wenn wir die Haltung einnehmen, konsequent auf vorhandene Ressourcen zu fokussieren, verändert das die gesamte Statik einer Organisation. Das Ziel ist ein System, das nicht mehr nur mühsam „funktioniert“, sondern sich aus sich selbst heraus regeneriert.

Das Ergebnis dieser systemischen Ausrichtung zeigt sich auf drei Ebenen:

  • Stabilität: Wo Menschen die Bedingungen vorfinden, um wirklich aufblühen zu können, steigen Identifikation und langfristige Bindung an das Unternehmen deutlich.
  • Gesundheit: Ein Umfeld, das menschliche Bedürfnisse konsequent achtet, senkt die systemischen Treiber von Erschöpfung und stärkt organisationale Resilienz.
  • Innovation: Erst aus der neu gewonnenen kognitiven Weite entstehen jene kreativen Lösungen, die im reinen „Reparatur-Modus“ der Defizitjagd schlichtweg unsichtbar bleiben.

Vermeide die Resilienzfalle

Resilienz wird oft als die reine Fähigkeit missverstanden, Krisen „wegzustecken“ oder unter hohem Druck stabil zu bleiben. Doch genau hier lauert die Falle: Wenn Führungskräfte versuchen, die psychische Widerstandsfähigkeit ihrer Teams lediglich zu maximieren, damit diese in dysfunktionalen Strukturen noch länger „funktionieren“, dann verschieben sie die Verantwortung für gesundes Arbeiten stillschweigend vom System auf das Individuum.

Die (oft unbewusste) Logik dahinter lautet: „Wenn du nur resilient genug bist, macht dir der ungesunde Druck auch nichts mehr aus.“ Das ist kein nachhaltiges Empowerment, sondern ein freundlich verpackter Weg in Richtung Erschöpfung.

Echte positive Führung nutzt Resilienz nicht als Schutzschild gegen schlechte Rahmenbedingungen. Sie orientiert sich stattdessen konsequent an den Bedürfnissen der Menschen. Wir fragen nicht: „Wie machen wir sie härter?“, sondern: „Wie gestalten wir das System so, dass Menschen gesund und wirksam bleiben können?“ Das Ziel ist es, psychologische und organisationale Ressourcen gezielt aufzubauen, statt sie lediglich effizienter zu verbrauchen.

Dein Take-away

  • Haltung statt Skript: Positive Leadership ist kein Tool, das man „abarbeitet“, sondern die bewusste Entscheidung, konsequent die Potenziale im Gegenüber zu suchen.
  • Wachstum statt Bestrafung: Probleme werden nicht ignoriert, sondern ressourcenorientiert gelöst.
  • Energie statt Fehler-Fokus: Wer Stärken aktiviert, löst die Innovationsbremse. Wo Vertrauen herrscht, entsteht die kognitive Weite, die für kreative Lösungen nötig ist.
  • Selbstführung als Basis: Deine Wirkung als Energizer steht und fällt mit deiner eigenen Psychohygiene. Nur wer die eigene Resilienz pflegt, kann Energie an andere abgeben.

Tool-Tipp: Der Positive Leadership Filter

Positive Leadership darf kein Sonderformat neben der Arbeit sein. Deshalb haben wir den Positive Leadership Filter gebaut: ein kompaktes 2-Minuten-Tool für Führungskräfte, die Positive Leadership nicht nur gut finden, sondern im Alltag konkret anwenden wollen. Der Filter hilft dir, dich vor einem Führungsmoment kurz zu sortieren, den Fokus zu schärfen und Positive Leadership in eine konkrete Handlung zu übersetzen.

Und so geht's:

Wähle zuerst den Anlass, der gerade vor dir liegt: Entwicklungsfeedback, Delegation, Meeting oder eine Spannungssituation. Mit ein paar gezielten Fragen schärfst du deinen Blick und formulierst dir einen klaren Leitsatz für den Moment. Nachdem die Situation vorbei ist, kehrst du für eine geleitete Reflexion zurück zum Positive Leadership Filter. So wird Positive Leadership im Alltag konkret erlebbar und umsetzbar.

Probier es direkt aus!

Dein ToDo: Der „Heliotrope Check-In“

Starte dein nächstes Meeting nicht mit der Agenda, sondern mit der „2-Minuten-Erfolgs-Dusche“.

Die Aufgabe: Frage in die Runde „Was war dein kleinster Erfolg in dieser Woche?“ Das ist das „Small Wins“-Prinzip: Sichtbare kleine Fortschritte wirken als Fortschrittssignal, heben die Stimmung im Raum, weiten den kognitiven Fokus deines Teams und machen euch bereit für komplexe Problemlösungen.

Und wenn du mehr willst

Du merkst, dass die Angst vor Fehlern eure Innovation ausbremst oder euch die Resilienz-Falle droht? Lass uns gemeinsam schauen, wie wir durch gemeinsame Lernreisen psychologische Sicherheit aufbauen und Stärken aktivieren, statt nur Defizite zu verwalten.

Schreib uns eine Nachricht an hello@chili-and-change.de oder vereinbare direkt einen Kaffee mit Anna.


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